Detail - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Grosses Interesse für das Neurozentrum

Rund 200 Personen nahmen an der Gründung des Neurozentrums teil. Die Ärzte stellten am Symposium „Zukunft Neuromedizin“ die Behandlungen und neue Methoden vor.

v.l. Prof. Andreas Raabe, Prof. Urs Bichler

Gründungssymposium

Die Spezialisten im Neurobereich rücken enger zusammen: mit dem neu gegründeten Universitären Neurozentrum verstärken sie die fächerübergreifende Zusammenarbeit. „Das Wissen der verschiedenen Disziplinen fördert die Qualität“, hielt Dr. Urs Birchler, Direktionspräsident des Inselspitals in der Begrüssung fest.

Das Neurozentrum besteht aus den Universitätskliniken für Neurochirurgie und Neurologie, dem Universitätsinstitut für Interventionelle und Diagnostische Neuroradiologie, der Neuropädiatrie der Universitätsklinik für Kinderheilkunde und den Universitären Psychiatrischen Diensten. Das Neurozentrum sei aber mehr als nur eine Aneinanderreihung der 5 Universitätsklinken, betonte Prof. Andreas Tobler, ärztlicher Direktor des Inselspitals, in seiner Rede. „Das Neurozentrum soll den Patienten und Zuweisern eine hohe Servicequalität bieten, zum Beispiel mit einer einzigen Kontaktstelle für Zuweiser und Patienten.“

Unter dem Titel „Zukunft Neuromedizin“ stellten die Ärzte die Behandlungen am Neurozentrum und neue Methoden vor. Prof. Andreas Raabe, Vorsitzender des Neurozentrums und Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie und Prof. Jürgen Beck, stellvertretender Chefarzt der Universitätsklinik für Neurochirurgie, erklärten, wie sie Hirntumore in der Nähe von wichtigen Funktionen entfernen. Mit dem von ihnen weiterentwickelten  Stromradar und der Kombination einer weiteren Methode erreichen sie eine Entfernungsrate von 95 Prozent. „Früher lag sie bei 65 bis 75 Prozent“, erläuterte Prof. Andreas Raabe die Ergebnisse.

Eine neue Methode wenden die Ärzte auch bei der Epilepsiebehandlung an. Die Neuroradiologen haben gemeinsam mit Neurobiologen der Universitären Psychiatrischen Diensten (UPD) ein Verfahren entwickelt, mit dem sie die Entstehungsorte der Epilepsie genauer bestimmen und so besser zum Verschwinden bringen können, wie Prof. Roland Wiest, leitender Arzt am Universitätsinstitut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, in seinem Vortrag aufzeigte.

Ausfindig machen und dann innerhalb von wenigen Minuten entfernen: das ist das Erfolgsrezept bei der Behandlung von schweren Schlaganfällen am Inselspital. Die Neuroradiologen verwenden den „Express-Stent“ mit dem sie den Thrombus (Blutpfropfen) innert kürzester Zeit aus dem verschlossenen Hirngefäss entfernen können. Mit dieser Methode gelingt es ihnen grosse, verschlossene Hirngefässe in 90 Prozent der Fälle wieder zu öffnen.

Die von den Berner Schlaganfallexperten verwendete Methode ist doppelt so erfolgreich wie andere Methoden. Werden die Patienten nur mit Medikamenten behandelt, sind 20 Prozent der Patienten nach dem Schlaganfall in guter körperlicher Verfassung. Mit der Berner Methode sind es 50 Prozent, wie Prof. Gerhard Schroth, Direktor des Universitätsinstituts für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, aufzeigte.

Auch bei Kindern, die einen Schlaganfall erleiden, ist eine rasche Behandlung wichtig. Nur ist es viel schwieriger den Schlaganfall bei Kindern überhaupt festzustellen, wie Prof. Maja Steinlin in ihrem Vortrag ausführte. Kopfweh oder Bewegungsstörungen werden häufig nicht als Warnsignale für einen Schlaganfall erkannt. Um rascher die nötigen Bilduntersuchungen machen zu können, werden Kinder mit Verdacht auf Schlaganfall im Inselspital direkt im Erwachsenennotfall und nicht im Kindernotfall behandelt.

Eine frühe Abklärung ist auch bei Schlaf-Wach-Störungen wichtig, wie Prof. Claudio Bassetti, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie, in seinem Vortrag über das interdisziplinäre Schlafzentrum aufzeigte. Schlafstörungen können ein Hinweis auf Depressionen oder ein erster Hinweis auf Parkinson sein. „Wenn wir die Krankheiten früh erkennen, können wir sie besser behandeln“, präzisierte Prof. Claudio Bassetti.

Eine frühe Behandlung ist auch bei Bewegungsstörungen wichtig, wie die Spezialisten des Zentrums für Bewegungsstörungen ausführten. Eine Studie von Michael Schüpbach, Leiter der DBS-Einheit (Deep Brain Stimulation) am Inselspital, hat gezeigt, dass die Lebensqualität besser und länger ist, wenn man bei Parkinson früh die tiefe Hirnstimulation einsetzt.

Bei Patienten, bei denen dies nicht möglich ist, kann die Radiochirurgie, beziehungsweise Ultraschall eine Alternative sein, wie Claudio Pollo, Spezialist für funktionelle Neurochirurgie an der Universitätsklinik für Neurochirurgie, erklärte. Erste Ergebnisse einer bald veröffentlichten Studie seien erfolgsversprechend, sagte er.

Die interdisziplinäre Memory Clinic des Inselspitals hat sich auf Patienten mit Sehbehinderung und die Früherkennung von Demenz spezialisiert. Bei der Diagnose arbeiten die Psychiater eng mit Neurologen und Neuroradiologen zusammen. Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, ist es den Forschern des Inselspitals in Zusammenarbeit mit der UPD gelungen, ein neues Verfahren zur Früherkennung von Demenz zu entwickeln.

Weitere Informationen
Zeitungsartikel:

 Plötzliche Schlafanfallattacke (Schweizer Illustrierte 06.11.2012)

 Hirnschrittmacher (Tages-Anzeiger 18.05.2012)

Fernsehsendungen:

Magnetfeldstimulation nach Schlaganfall (Puls 03.12.2012)

Stromradar (Puls 11.06.2012)

Fahrsimulator (Schweiz Aktuell 01.03.2012)

Express-Stent (Puls 27.02.2012)

 

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12.12.2012
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